Seishinkai Aikido Fruehlingslehrgang in Frankfurt (Mai 2019): Eine Frage der Balance

„Eine Frage der Balance“ – Kurzbericht vom Seishinkai Aikido Frühlingslehrgang

Das Thema „Balance“ beschäftigt mich immer wieder in ganz verschiedenen Bereichen meines Lebens.

„Ist der Text, den ich schreibe, nicht viel zu lang? Sollte ich kürzen oder lieber gleich ein Buch zu dem Thema schreiben?“

„Habe ich den Kindern gerade zu viel durchgehen lassen? Hätte ich in diesem Moment strenger sein sollen? Oder umgekehrt?“

„War die Kritik an der Vorgehensweise meines Kollegen zu direkt? Oder versteht er sonst sowieso nicht, was ich meine?“

Wo liegt die Goldene Mitte?

Ich mag diesen Begriff. Er rückt das sonst so verpönte „Mittelmaß“ in ein viel positiveres Licht, wo es nach meiner Überzeugung hingehört. Wenn man es in diesem positiven Sinn versteht, könnte man anstelle von Mittelmaß auch Ausgleich sagen. Oder eben Balance. Egal ob Mittelmaß, Ausgleich oder Balance – ich persönlich strebe immer danach.

Denn Extrempositionen haben nur extrem selten eine stichhaltige Berechtigung. Sie mögen auf den ersten Blick bequem erscheinen: Mit einer festen, unverrückbaren Einstellung kann ich es mir sparen, mich ständig selbst zu hinterfragen. Von einer festen Position aus brauche ich nicht ständig nach dieser ominösen goldenen Mitte zu suchen, wo auch immer die sein soll. Da hat doch sowieso jeder eine andere Meinung dazu. Sogar bei mir selbst beobachte ich, dass ich in vergleichbaren Situationen manchmal völlig unterschiedlich reagiere (wahrscheinlich in Abhängigkeit vom Ausmaß meines jeweiligen Schlafdefizits). Ist diese Mitte überhaupt zu erreichen? Ist sie vielleicht nur ein abstraktes Phantom, welches doch nie richtig greifbar wird? Und der Versuch, es zu erreichen kostet bloß unnütz Energie?

Nicht von Extrempositionen einfangen lassen

Ich gebe zu: Das Streben nach Balance ist oft mühsam. Es lohnt sich aber! Es geht gar nicht um das absolute Ziel, die Balance immer und überall zu erreichen (geschweige denn zu halten). Allein schon das Streben danach sorgt dafür, dass wir uns nicht von Extrempositionen einfangen lassen. Denn die vermeintlich einfachen Extreme machen nicht glücklich. Es findet keine Bewegung in ihnen statt. Der Stillstand führt nirgendwo hin. Kreativität ist damit nahezu ausgeschlossen. Wachstum kann nicht stattfinden.

Für mich war es daher sehr spannend, dass „Balance“ als Thema einen breiten Raum einnahm auf dem Seishinkai Aikido Frühlingslehrgang unter der Leitung von Thorsten Schoo Sensei (11.-12. Mai). Natürlich ging es um viel mehr als beispielsweise darum, wie wie lange man das Gleichgewicht auf einem Bein stehend halten kann. Stattdessen lernten die Teilnehmer spannende Übungen, um ihre Wahrnehnung für die Balance zwischen Hüfte und Schultern zu erhöhen. Zwischen vorne und hinten. Für den richtigen Absbstand zum Partner. Für Himmel und Erde – und für den Menschen dazwischen.  

Gruppenbild Teilnehmer Seishinkai Aikido Fruehlingslehrgang in Frankfurt (Mai 2019)
Seishinkai Aikido Fruehlingslehrgang in Frankfurt, Mai 2019 (Foto: privat)

Gratulation

Mir hat dieser Lehrgang wieder einmal bestätigt: Aikido ist eine wunderbare Möglichkeit, um auf einer körperlichen Ebene, also jenseits einer kopfgesteuerten Gedankenwelt, nach der „goldenen Mitte“ zu streben. Einer der vielen Gründe, warum mich diese Kampfkunst so nachhaltig fasziniert. Leider war für mich nur die Teilnahme am Samstag möglich, weil ich wieder zurück nach Ulm musste. Die Passagen am Sonntag (also die Gürtelgraduierungen), habe ich daher verpassen müssen. Daher auf disem Weg meine herzlichen Glückwunsche an alle Passagiere des diesjährigen Frühlingslehrgangs!

Hier noch ein kleiner Eindruck zum anschauen:

(Beitragstitelfoto: Shiva Smyth / pexels.com)